Adlerauge am Schießstand

Arnold Kusterer gehört zu den besten deutschen Schützen auf die langen Distanzen
Von Axel Schmidt


„Richtig gut schießen lernt man erst bei schlechtem Wetter.“Arnold Kusterer
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Bedernau Die Scheibe samt der Einschusslöcher sieht zunächst eher unspektakulär aus: Zehn kleine Löcher, neun davon im drei Zentimeter großen Durchmesser in der Mitte. Ein Einschussloch ziert den Neuner-Ring. Soweit, so gut – ein ordentliches Ergebnis für einen Schützen möchte man meinen. Wenn man nun diese Scheibe aber in einer Entfernung von 300 Metern aufhängt, wird das Ergebnis ungleich besser.

Die Schützenscheibe gehört Arnold Kusterer. Der 49-Jährige aus Bedernau zählt seit Jahren zu den besten deutschen Schützen auf lange Distanzen. Sind die Ziele mindestens 300 Meter entfernt, ist er in seinem Element. „Die 100 Meter machen keinen Spaß“, sagt er und erzählt dazu eine Anekdote, die sich vor Jahren an einem 100-Meter-Schießstand zugetragen haben soll. „Der Schütze vom Nachbarstand hat anfangs gedacht, ich treffe die Scheibe gar nicht, weil er nur ein Loch gesehen hat“, sagt Kusterer und schmunzelt. Dabei hat er nur mehrmals in genau die gleiche Stelle auf der Scheibe getroffen. In der Großkaliber-Bundesliga ist er bislang der Einzige, der 300 Ringe erzielen konnte. Am 11. September 2010 gelang ihm dieses „Full House“, wie er es nennt.

Weitere Erfolge sind ein Vizemeistertitel mit der Mannschaft der SLG Babenhausen bei der bayerischen Meisterschaft (2011) und ein dritter Platz bei der deutschen Meisterschaft (2010). Im Einzelwettkampf kann Kusterer zwei bayerische Vizemeisterschaften (2012, 2013) und einen dritten Platz (2011) vorweisen. In der Großkaliber Bundesliga schaffte er von 2010 bis 2012 den Titelhattrick.

Seit seiner frühesten Jugend schießt Arnold Kusterer. Vor allem die Funktionalität und der Aufbau der Waffe haben ihn schon von Kindesbeinen an fasziniert, sagt er. Zunächst begann er mit dem Ordonnanzgewehr, mit Kimme und Korn. Dann, ab Mitte 30, „als das Augenlicht schwächer wurde“ (Kusterer), verlegt er sich auf die Gewehre mit Zielfernrohr. Und wieder stürzt er sich nicht nur in die Praxis, sondern auch die Theorie. Kusterer sagt von sich, dass er nie besonders viel Talent gehabt habe. Dafür habe er sich aber umso mehr mit der Materie befasst.

Welchen Einfluss hat der Wind auf den Schuss? Wie ändert sich die Perspektive bei sich wechselnden Lichtverhältnissen? Fragen wie diesen ist er auf den Grund gegangen. Heute ist er sich sicher, dass viel Licht eher einen Hochschuss ergeben, wenig Licht dagegen einen Tiefschuss. Die Sache mit dem Wind müsse man dagegen lernen. Er hat beim Zielen immer beide Augen geöffnet, um die Scheibe und den Wind gleichzeitig zu beobachten. „Richtig gut schießen lernt man, wenn man bei schlechten Wetter schießt“, sagt er und lacht.

Die Entfernungen zum Ziel wachsen bei Kusterer mit der Zeit, heute schießt er auf Distanzen von mindestens 300 Meter. „1300 Meter waren bislang das Weiteste“, sagt er. Auf dem Truppenübungsplatz Heuberg im baden-württembergischen Stetten am kalten Markt war das. Und das, obwohl Kusterer selbst nie bei der Bundeswehr war. Doch viele Möglichkeiten, auf diese Entfernungen zu schießen, gibt es nicht in Deutschland. Überhaupt hält sich der Zeitaufwand in Grenzen, nur vier Mal pro Jahr geht es zu Wettkämpfen.

Da bleibt dem 49-jährigen Lagerleiter einer Großmolkerei, der nebenher noch ein Geschäft für Jagd- und Sportwaffen in Bedernau führt, viel Zeit für seine zweite Leidenschaft: die Jagd. Bis zu fünf Mal pro Woche geht Kusterer dann mit seinem Hund Quirl in den Wald. Hier kann er abschalten und sich die Ruhe holen, die er braucht. Denn Kusterer hat noch ein großes Ziel vor Augen. Bei der deutschen Meisterschaft im Herbst 2014 will er endlich einmal vorn dabei sein. Heuer hat es nämlich nur zu Rang 59 gereicht.